Das saß sie nun, voller Erinnerungen! 1. Kapitel

Jede Geschichte hat einmal einen Anfang und jede Geschichte hat normalerweise auch ein Ende ... DIESE NICHT! > Ich lade dich heute ein, in eine ganz spezielle Geschichte einzutauchen – eine Geschichte, mit der wahrscheinlich viele von euch in Resonanz gehen werden.

Viel Freude beim Lesen ...

Eine verflixte Neverendingstory

Kapitel 1: Da saß sie nun, voller Erinnerungen

Da saß sie nun, voller Erinnerungen, die sie heute mal wieder einholten und ihr regelrecht den gemütlichen Abend versauten. „Was denkt sich dieser Vogel eigentlich, wer er ist?“ Genervt rollte sie mit den Augen und suchte die Fernbedienung, um sich mit einem Film abzulenken. „Rotz, alles nur Rotz. Und Schmalz wäre jetzt echt die falsche Entscheidung.“ Sie merkte schnell, dass Ablenkung heute nicht möglich war, und wurde immer frustrierter. Tja, ihre Gedanken drehten sich mal wieder um ihn und um das, was alles geschehen war. „Über zwei Jahrzehnte nur Käse und immer dasselbe Dilemma.“ Augenrollend schaltete sie ein bisschen Musik ein und verfluchte sofort die zufällige Wiedergabe, die direkt ein Lied anstimmte, das ihre Erinnerungen noch einmal richtig aufheizte. „Läuft heute … zwar bergab, aber läuft.“

Sie kannte diese Abende, da sie seit Jahren ihre treuen Begleiter waren. Sie hasste es, so hilflos diesen Gedanken und Gefühlen ausgeliefert zu sein, und ärgerte sich ständig über sich selbst, dass es einfach nicht verschwand. Er ist ein Idiot – sogar der größte Idiot, dem sie je begegnet ist – und trotzdem liebte sie ihn und konnte rein gar nichts dagegen tun. Tja, die Situation schrie regelrecht nach Wein, obwohl sie wusste, dass Alkohol dieses Gefühl nur noch verstärkte. „Egal, Primetime ist Winetime“, auch wenn die Primetime sich mehr im Kopf abspielte als in der Glotze!

So verging wieder einer der vielen Abende, an denen sie den Gefühlen für ihn ausgeliefert war, ob sie wollte oder nicht.

Als sie am nächsten Morgen wach wurde, schlich sich sofort eine Übelkeit ein, da ihr Handy ihr alles sofort wieder präsentierte. Mail versendet … „Hilfe, ich muss kotzen!“ Da saß sie nun, an Erbärmlichkeit kaum zu ertragen, und sie hätte sich schon wieder in den Arsch beißen können, dass sie diesem Vollidioten mal wieder ihre Gefühle mitgeteilt hatte. Wieder fragte sie sich, was er an sich hatte, dass ein Vergessen nicht möglich war. Ihr fiel nichts ein, außer seinen Augen … den schönsten Augen im ganzen Universum. Es waren nicht einfach nur schöne Augen, sondern das, was man darin lesen konnte, war für sie nicht in Worte zu fassen. Ein Blick reichte, um ihre ganze Welt auf den Kopf zu stellen. Diese Augen hatten sie geprägt und nie wieder losgelassen. Sie fragte sich heute noch, was damals vor so vielen Jahren passiert war, dass ihr ganzes Leben nach ihm ausgerichtet blieb.

Schnell sprang sie aus dem Bett und verwarf erst einmal dieses doofe Gefühl, wieder schwach geworden zu sein. Man muss wissen, dass dieser „Herr von Welt“ sie seit Monaten ignorierte und daher eine Antwort ohnehin nicht zu erwarten war. Für sie war es einerseits eine beschissene Situation, aber andererseits konnte es ihr egal sein, dass sie mal wieder erbärmlich ihren Liebesschmalz abgesendet hatte. No reaction, also nicht peinlich berührt sein – in ein paar Tagen würde diese Situation für sie wieder Geschichte sein. Sie schwor sich wie immer, dass so etwas nicht mehr vorkam, obwohl sie wusste, dass sie sich da selbst etwas vormachte.



Um der Geschichte mal etwas Tiefgang zu geben, wäre es natürlich angebracht, dort anzufangen, wo alles begann …



Zurück nach 1998, in die trendigen 90er, wo Schlaghosen, Nick-Carter-Haarschnitte, blauer Lidschatten und weiße Jeans voll hip waren. Es war eine Zeit, in der es noch keine Handys gab und das Internet noch in den Startlöchern stand. Sie war gerade einmal 15 Jahre alt und entdeckte in dieser Zeit, wie doof Kerle eigentlich sind. Aktuell hatte sie mal wieder einen Griff ins Klo gelandet und dermaßen genug von kleinen Jungs, die besser im Sandkasten aufgehoben wären, anstatt einem Mädchen das Herz zu brechen. Naja, eben eine typische Teenagerzeit mit ganz viel Drama, Drama, Drama – natürlich ohne echtes Drama, denn das machte man sich selbst, um im Gespräch zu bleiben. „Ladies and Gentlemen … wir präsentieren Ihnen Miss Lady Drama.“ Spot an! Naja, vielleicht etwas übertrieben, aber damals empfand man es so. Man war der Mittelpunkt der Welt, während von allen Seiten die Taschentücher flogen. Liebeskummer war immer ein Grund, shoppen zu gehen, tafelweise Schokolade in sich reinzuschaufeln und der besten Freundin die Ohren vollzujammern – daher war dieses Gefühl eigentlich immer herzlich willkommen. Glaubst du das jetzt wirklich? Tzzz, bis dahin kannte sie keinen echten Liebeskummer. Es war nur ihr verletzter Stolz, der dezent angekratzt war und ihr mal wieder einen Vorwand lieferte, um mit ihrer besten Freundin shoppen zu gehen.



In diesem Moment wusste sie noch nicht, dass diese Shoppingtour ihr komplettes Leben auf den Kopf stellen würde. Daher kann ich jetzt nur sagen: „Vorhang auf und viel Vergnügen beim Untergang der Titanic!“ (Zwischenspoiler: Der Film lief damals hoch und runter und es gab kein Mädchen, das nicht für Leonardo dahingeflossen wäre und ihr Zimmer mit ihm tapeziert hätte.) Hätte sie geahnt, was auf sie zukam, hätte sie wahrscheinlich lieber den Tag im Bett verbracht, anstatt in den Zug zu steigen und sich mit vollem Elan ins Einkaufsfeeling zu stürzen. Okay, Elan ist mal wieder etwas übertrieben, denn im Grunde ging es nur darum, ein bisschen Geld rauszuschmeißen.



Alles lief ab wie immer. Dazu gehörten natürlich auch typische Mädchenprobleme: „Wo ist die nächste Pipibox?“ Ja, ich weiß, wir Mädels haben alle eine Konfirmandenblase, und man weiß bis heute nicht, was sich die Natur dabei gedacht hat. Es blieb uns ja manchmal gar nichts anderes übrig, als zu zweit aufs Klo zu gehen, weil wenn, dann mussten wir immer alle gleichzeitig. Also auf ins nächste größere Kaufhaus, wo sie dann brav wartete, bis ihre bessere Hälfte den Kaffee entleert hatte. Sie vertrieb sich währenddessen die Zeit mit Klamotten-Gucken und beobachtete die Leute. Ihre Aufmerksamkeit lenkte sich plötzlich in Richtung der Umkleidekabinen, da eine rege Diskussion nicht zu überhören war. Sie sah nur einen Kerl von hinten, der versuchte, seine Mutter davon zu überzeugen, wie cool und angesagt weiße Jeans aktuell seien. Innerlich dachte sie nur: „Hör auf deine Mutter, denn weiße Jeans sind alles, aber sicherlich nicht cool!“


Kaum hatte sie den Gedanken zu Ende gedacht, drehte der Kerl sich um und sah ihr direkt in die Augen.


Was jetzt passierte, ist schwer in Worte zu fassen – denn dafür gibt es keine Worte. Die Welt stand still. So still, dass man den Aufschlag einer Stecknadel hätte hören können, die in Zeitlupe mit einem Rückwärtssalto zu Boden fällt. Ihre Emotionen waren nicht mehr zu kontrollieren. Plötzlich stieg Panik auf: heiß, kalt, Übelkeit, Schnappatmung. Alles kribbelte in ihr, sie war kurz davor, in Tränen auszubrechen oder im schlimmsten Fall in Ohnmacht zu fallen. Es war ihr unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen, denn sie sah nur diese Augen. Augen, die ihre komplette Welt innerhalb einer Sekunde auf den Kopf gestellt hatten. Sie wusste nicht, was da gerade mit ihr geschah, und versuchte es mit einem geschickten Lächeln in seine Richtung, das sofort erwidert wurde. Die weiße Jeans war in diesem Moment absolut in den Hintergrund gerückt. Sie schaute ihn an, er schaute sie an, und beide konnten den Blick nicht mehr voneinander abwenden. In der heutigen Jugendsprache würde man sagen: „Es hat Zoom gemacht.“ Auf gut Deutsch: Die Bombe war eingeschlagen.


Im Prinzip lief dann alles ab wie in einem kitschigen Liebesfilm mit ständiger Hintergrundmusik von Lionel Richie, Stevie B. oder Frankie goes to Hollywood mit „Power of Love“. Man sah sich, man verliebte sich, man ging mutig aufeinander zu und wurde ein Liebespaar. Da es damals keine Handys gab, blieb nur der altmodische Weg: Man schrieb sich Briefe und wartete tagtäglich auf den Postboten, oder man vertelefonierte Summen, die heutzutage nicht mehr feierlich wären. Der Unterschied zur normalen Verliebtheit war die Dynamik. Man kann sagen, es war der Himmel auf Erden. Die Abschiede fielen jedes Mal schwer, weil jede Sekunde ohneeinander sofort Schmerz erzeugte. Viele würden sagen, es war Liebe auf den ersten Blick, aber nicht mal das beschrieb ansatzweise, was wirklich gefühlt wurde. Diese zwei Menschen wurden in diesem Moment für immer aneinandergebunden – was sie zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wussten.

Denke an den ersten Satz: „Da saß sie nun, voller Erinnerungen …“ Welche Erinnerungen das sind, erfährst du bald.

Fortsetzung folgt